Mit Regenwassernutzung die Betriebskosten entscheidend verringern
Trinkwasser
ist ein hochwertiges Gut, das in Deutschland strengsten
hygienischen und
sonstigen Bestimmungen unterliegt.
Trinkwasser ist aber auch ein wichtiger Rohstoff für
die Industrie, den es sparsam einzusetzen gilt, will
man seine Betriebskosten nicht unnötig in die Höhe
treiben und die Ressourcen schonen. Zur Einsparung von
Wasser in der Industrie kann Wasser für Nicht-Trinkwasserzwecke
durch Oberflächen- oder Regenwasser ersetzt werden,
außerdem können Wasser sparende Technologien
in Produktion und Betrieb eingesetzt werden. Dabei muss
jedoch darauf geachtet werden, Gewässergefährdung
oder gar verunreinigung zu vermeiden.
Ein Unternehmen aus der Elektroindustrie suchte nach
Alternativen um die Wasserkosten für die Nachspeisung
seines Verdunstungskühlturms zu senken und wurde
bei einem Konzept zur Regenwassernutzung der Lubron Wasseraufbereitung
fündig.
Auf 15.000 m² versiegelter Betriebsfläche,
wie z.B. Dächern und Parkplätzen, wird nun
Regenwasser aufgefangen und in Regenrückhaltebecken
gesammelt. Auf diese Weise kommen durchschnittlich 8.500
m³ Regenwasser pro Jahr zusammen, die dem Kühlkreislauf
als Nachspeisewasser zugesetzt werden. Geht man von
einer durchschnittlichen Jahresauslastung von ca. 40%
an 10 Stunden pro Tag, und das bei 230 Tagen im Jahr
aus, so beträgt der Gesamtwasserverbrauch des Kühlturms
20.000 m³ /Jahr. Das bedeutet, das Zuspeisewasser
kann zu über 40% aus Regenwasser bedient werden,
der Trinkwasserverbrauch sinkt auf 11.500 m³ pro
Jahr. Bei Wasserbezugs- und anteiligen Abwasserkosten
von zusammen rund 2,50 Euro/m³ bedeutet dies eine
Einsparung von ca. 21.250,- Euro/Jahr bei der Wasserversorgung
des Kühlturms. Da Regenwasser weicher ist als Trinkwasser
und so nicht enthärtet werden muss, wird zusätzlich
der Verbrauch an Chemikalien für die Vorenthärtung
sowie die Salzfracht für die Regeneration verringert,
was weitere Kosteneinsparungen nach sich zieht. Auch
der Verbrauch an Korrosionsschutzmitteln sowie Härtestabilisatoren
sinkt durch die Verwendung von Regenwasser. In bestimmten
Gebieten wird zudem die Regenwassernutzung für
technische Zwecke staatlich gefördert, was die Amortisationszeit
der für die Umstellung auf Regenwassernutzung notwendigen
Technik zusätzlich verkürzt. Dabei handelt
es sich meist lediglich um eine Filteranlage zur Aufbereitung
des gesammelten Regenwassers, da in den meisten Industriebetrieben
Regenrückhaltebecken und eine getrennte Kanalisation
für Schmutz- und Regenwasser ohnehin vorhanden sind.
Eine Filtration ist unbedingt notwendig, dann das Niederschlagswasser
löst aus der Luft Bestandteile wie Stickstoff, Sauerstoff
und Kohlendioxid, aber auch Schmutz- und Schadstoffe wie
Staub und Ruß. Ein rückspülbarer Feinsandfilter
trennt die unerwünschten Schmutzpartikel aus dem Wasser
und sorgt somit dafür, dass keine unerwünschten
Bestandteile aus dem Regenwasser in den Kühlwasserkreislauf
gelangen. Die im Regenwasser gelösten
Gase sind für den Kühlturmbetrieb ohne Bedeutung.
Damit eine konstante Wasserversorgung sichergestellt
und das Regenwasser vollständig genutzt werden kann,
besteht die Filteranlage aus drei Feinsandfiltern. Zwei
der Filter sind stets parallel in Betrieb, während
ein Filter im Standby steht oder rückgespült
wird. Denn ist ein Filter mit Schmutzstoffen so zugesetzt,
dass zwischen Filtereingang und –ausgang ein erhöhter
Druckverlust herrscht, muss das Filtermaterial gereinigt
werden. Ein Differenzdruckmesser meldet dem Steuergerät
die Überschreitung des vorgegebenen Grenzwertes
und löst dadurch die Rückspülung aus.
Als Rückspülmedium wird Wasser verwendet, das
während des Spülvorgangs den Filter entgegen
der Filtrationsrichtung durchströmt und so
die Schmutzpartikel löst und austrägt. Als
Rückspülwasser wird das Filtrat der in Betrieb
befindlichen Filter verwendet.
Die Investitionen für die Umstellung sind überschaubar: Im Falle des
Elektrounternehmens betrug die Investition für die Filteranlage 19.500,-
Euro. Sogar ohne Anrechnung der Einsparungen an Verbrauchschemikalien und der
staatlichen Förderung für die Regenwassernutzung liegt die
Amortisationszeit der Anlage damit unter einem Jahr.
Auch in Gegenden mit starker Belastung des Regenwassers ist eine Nutzung wie
die vorgestellte möglich. Der Filteranlage wird in solchen Fällen eine
Entkeimung wie zum Beispiel eine Oxidation vorgeschaltet. Durch intelligente
Kreislaufführung und somit Mehrfachnutzung des eingesetzten Kühlwassers
lassen sich weitere Einspareffekte erzielen und somit die Betriebskosten eines
Kühlturms weiter senken. Gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten sind
solchen innovativen und umweltfreundlichen Konzepte doppelt wichtig.